Junge Arbeiterinnen und Arbeiter sind heute mit am stärksten von den wirtschaftlichen und sozialen Einschnitten der Weltwirtschaftskrise und den Folgen der Coronapandemie betroffen. Der Monitor Jugendarmut 2020, herausgegeben von der Bundesgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit, macht die drastischen Einschnitte für die Arbeiterjugend deutlich: Im April 2020 waren bereits 56.190 junge Menschen mehr arbeitslos als im Frühjahr 2019; davon 13.540 im Hartz IV-Bezug. Mitte Juli 2020 waren 47.000 weniger Ausbildungsplätze gemeldet als im Vorjahr.

Die kapitalistische Krise vergrößert das Loch der Armut, in das Arbeiterfamilien und –jugendliche in den kommenden Jahrzehnten fallen werden. Während seit Jahrzehnten anhaltend deindustrialisiert wird, und auch der letzte „Boom“ nicht der Aufschwung war, zu dem er verklärt wird, ist das Netz an sozialer Sicherheit und Zukunftsperspektiven im vergangenen Jahr weiter zerfallen. Schon heute sind von 53.854 Ausbildungsangeboten nur knapp über ein Drittel zugänglich für Schüler mit, und davon wiederum nur 4,01% zugänglich für Schüler ohne Hauptschulabschluss.

Individualismus und soziale Zerklüftung

Die tiefe Zerklüftung der Lebensrealität verschiedener Bevölkerungsgruppen gehört zum Wesenszug des modernen Kapitalismus. Für den Aufstieg und Fall individueller Biographien übernehmen Wirtschaft und Staat keine Verantwortung – sie werden als das individuelle „Glück“ und die „Leistungsbereitschaft“ Einzelner verkauft.

Dass dabei mehr Geld als Glück eine Rolle spielt, wird verschwiegen: Während im Lockdown manche Kinder von Arbeitern und Armen auf engstem Lebensraum eingesperrt und ihnen der Zugang zu öffentlichem Gelände verwehrt wurde, konnten andere sich in großen Häusern aufhalten und im Garten spielen. Während die Familien der Reichen Nachhilfelehrer, einen reichen Vorrat elektronischer Geräte und gerne auch eine Privatbibliothek zur Verfügung haben, haben mehr als 2 Millionen Haushalte in Deutschland überhaupt keinen Zugang zum Internet. Während aus den Sozialkassen Kurzarbeitergeld finanziert wurde – also ein Zuschuss, wenn die Arbeitgeber konjunkturbedingt nicht länger bereit sind, den vollen Lohn auszuzahlen, obwohl sie in Rettungspaketen Staatsgelder einstreichen und ihre Dividenden ausschütten – wurden Maßnahmen der Arbeitsagenturen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt gestrichen und Geschichten wurden laut, dass Schüler unter anderem vom Arbeitsamt Wuppertal aus dem Unterricht geholt und unter Druck gesetzt wurden, nach dem ersten Schulabschluss umgehend eine Lehre zu beginnen und die Kosten ihrer Jugendarmut zurückzuerstatten.

Zerfall des Lebensstandards und Versagen der kapitalistischen Marktwirtschaft

Die Preise für Güter, die von niedrigen Einkommensgruppen konsumiert werden, sind auch 2020 überdurchschnittlich gestiegen, und es ist kein Geheimnis mehr, dass heute schon Lehrerinnen und Lehrer in manchen Gebieten Deutschlands darüber Bescheid wissen, dass der Unterricht gegen Monatsende schwieriger wird, da die Kinder hungriger als sonst in den Klassen sitzen.

Die Weltwirtschaftskrise und Corona haben bewiesen, wie wenig lebenswert die Zukunft für manche Arbeiterkinder und –jugendliche im Kapitalismus noch ist. Auf uns wartet ein kaputtgespartes Gesundheitssystem, verfallende Schulgebäude, steigende Preise für die Grundversorgung, keine soziale Sicherheit, Schuften bis zum Tod und ein Wirtschaftssystem, das chronisch in der Krise steckt. Wer heute Abitur macht und studiert, hat eine bis zu 12 Jahre längere Lebenserwartung als ein Hauptschulabgänger, und das Gesundheits- und Rentensystem entwickelt sich in eine Richtung, die noch deutlich mehr soziale Ungleichheit mit sich bringen wird.

Es muss nicht bleiben, wie es ist – wir brauchen eine sozialistische Revolution!

Dazu gibt es eine Alternative. Coronapandemie und Weltwirtschaftskrise beweisen wie nichts anderes die Konsequenzen einer Wirtschaftsweise, in der Produktionsstätten, Finanzhäuser und überhaupt alles, was für unseren Lebensalltag entscheidend ist, in der Hand weniger einzelner Privater liegt.

Die Politik der Bundesregierung dient nicht dem „Allgemeinwohl“, sondern eben diesen Interessen. Aber wenn es der „Wirtschaft gut geht“ geht es nicht uns allen gut! Um die Dividenden zu retten, wurden unsere Väter und Mütter gekündigt oder in Kurzarbeit geschickt, wurden Arbeitsplätze und damit Zukunftsperspektiven abgebaut, werden ohne jede Rücksicht weiter Krankenhäuser privatisiert und wurden hunderttausende Niedriglohnjobs gestrichen.

Auch wenn die Propaganda uns erzählt, „Klassenkampf“ sei von gestern, wird er von oben schon längst geführt. Niemand von ihnen wird uns dabei helfen, uns selbst eine lebenswerte und sichere Zukunft zu bereiten. Sie werden sich auf die Reichtümer der Welt stürzen, und uns so viel davon wegnehmen, wie es ihnen möglich ist.

Um das zu ändern, müssen wir uns organisieren und gemeinsam kämpfen.

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