Der von Trump und Netanjahu gegen den Iran und den Libanon entfesselte imperialistische Krieg sowie der Widerstand des Ayatollah-Regimes, das die Straße von Hormus gesperrt und den Golfmonarchien schwere Schläge versetzt hat, haben die Debatte über eine mögliche weltweite Wirtschaftskrise erneut entfacht. Eine Perspektive, die Realität werden könnte, wenn die Blockade und die Kämpfe andauern, und die zu einem der wichtigsten Gründe für die Rückzieher des US-Präsidenten geworden ist.

Zahlreiche internationale Organisationen wie der IWF oder die Internationale Energieagentur (IEA) haben die Lage als kritisch eingestuft. Fatih Birol, Direktor der IEA, hat gewarnt, dass wir vor „der größten Energiekrise der Geschichte“ stehen, die sogar die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen übertrifft.

Seit Kriegsbeginn sind täglich 14 Millionen Barrel Öl aus dem Welthandel verschwunden, was bis Ende Mai insgesamt mehr als 1 Milliarde Barrel entspricht. Die Vereinbarung der IEA zur Freigabe strategischer Reserven – 400 Millionen Barrel – ermöglichte eine vorübergehende Entlastung der Lage und verhinderte, dass der Preis in Rekordzeit auf 150 oder 200 Dollar pro Barrel stieg. Doch in diesen drei Monaten des Konflikts sind mehr als 250 Millionen Barrel dieser Reserven – 6,6 Millionen pro Tag – bei einem Preis von knapp 100 Dollar verloren gegangen, was einen Anstieg von 25 bis 40 % der heutigen Kraftstoffpreise im Vergleich zu vor drei Monaten bedeutet.

Die Sperrung der Straße von Hormus, so weisen zahlreiche Experten hin, kann nicht mehr lange andauern, ohne noch verheerendere Folgen nach sich zu ziehen. Als Frist wird der laufende Monat Juni genannt, doch die Börsen unterschätzen die Warnungen weiterhin: Die spekulativen Gewinne, die Investmentfonds, Ölkonzerne und Banken durch den Preisanstieg erzielen, sind enorm.

Die Krise treibt bereits jetzt die Inflationsspirale in den USA an, mit einem Anstieg auf 3,8 %, vor dem Hintergrund einer Stagnation in der Eurozone und einer technischen Rezession in führenden Ländern wie Deutschland. Viele Institutionen haben die Wachstumsprognosen für Europa und die USA bereits nach unten korrigiert und gehen von einem kurzfristigen Stagflationsszenario (wirtschaftliche Stagnation kombiniert mit einer Inflation, Anm. d. Ü.) aus.

Der Termin im Juni hängt eng mit dem Beginn der Urlaubssaison in der nördlichen Hemisphäre und extremer Hitze zusammen, was einen exponentiellen Anstieg des Öl- und Stromverbrauchs zur Folge haben wird, sowie mit dem Beginn der Aussaatsaison in vielen Ländern, da 30 % des weltweiten Handels mit Düngemitteln über die Straße von Hormus abgewickelt wird. [1]

Die Verluste durch die Blockade könnten für zahlreiche Unternehmen mehr als 25 Milliarden Dollar betragen, wobei die Fluggesellschaften mit 15 Milliarden Dollar besonders stark betroffen sind. Andere wichtige Branchen wie die Automobil- oder die Chemieindustrie sind ebenfalls schwer getroffen [2], doch früher oder später werden alle Sektoren von dieser Unterbrechung der Versorgung in Mitleidenschaft gezogen werden. Selbst wenn eine Einigung erzielt und die Meerenge in den nächsten Tagen wieder geöffnet werden würde, wären die negativen Auswirkungen noch monatelang zu spüren.

Zahlreiche Länder Asiens, die in den letzten Jahren maßgeblich zum weltweiten Wachstum beigetragen haben (bspw. Indien, Vietnam, Bangladesch, Indonesien, die Philippinen…) haben angesichts der Unterbrechung der Energieversorgung aus dem Nahen Osten Maßnahmen zur Rationierung ergriffen. Solche Entwicklungen in Asien, das sich zum wichtigsten Dreh- und Angelpunkt der produktiven kapitalistischen Wirtschaft entwickelt hat und für 2026 Wachstumsprognosen zwischen 4 und 5 % hatte, wird weitreichende Folgen haben und soziale Unzufriedenheit sowie den Klassenkampf schüren.

Und was am bedeutendsten ist: Viele dieser Länder, ehemals solide Verbündete der USA, wenden sich an China und auch an Russland, um diese Versorgungsengpässe abzumildern. Die Bestrebungen, durch einen Krieg den rivalisierenden imperialistischen Block zu schwächen, sind aufgrund zahlreicher militärischer, wirtschaftlicher und diplomatischer Faktoren zu einem offensichtlichen Misserfolg für Washington und seinen zionistischen Verbündeten geworden. [3]

Schulden, Spekulationsblasen und Kredite

All diese Ereignisse gewinnen angesichts der tiefgreifenden Ungleichgewichte, mit denen die Weltwirtschaft bereits vorher zu kämpfen hatte, besondere Brisanz. Das spiegelt sich in einem in der Geschichte beispiellosen, stratosphärischen Anstieg der Verschuldung wider: weltweit 348 Billionen! Aufgeschlüsselt nach Ländern ist das Bild noch erschreckender, da die Verschuldung in vielen Fällen 100 % des BIP erreicht oder übersteigt – eine Situation, die weitaus schlimmer ist als noch beim Ausbruch der Großen Rezession im Jahr 2008.

Im Falle der USA hat die Gesamtverschuldung 39 Billionen Dollar und 125 % des BIP überschritten, was ein historischer Höchststand ist.

2026 werden die Zinsen für diese Schulden eine Billion Dollar betragen, und bis 2036 könnten bis zu 14 Billionen Dollar ausgegeben werden. Eine Situation, die nur dank der dominierenden Rolle des Dollars im weltweiten Handels- und Finanzverkehr aufrechterhalten werden kann. Durch diese kann ein beträchtlicher Teil des globalen Reichtums mobilisiert werden, um diese Verschuldung zu stützen, die auch die Spekulationsspirale an der Wall Street anheizt. Der Dollar blieb auch im Jahr 2025 die weltweit am häufigsten verwendete Währung, mit einem Anteil von 59 % an den Devisenreserven, 88 % an den internationalen Transaktionen und 62 % an den grenzüberschreitenden Krediten. [4]

Doch die Straffreiheit, mit der diese Plünderung des weltweiten Reichtums vor sich geht, beginnt zu bröckeln. Es handelt sich zwar noch um bescheidene Zahlen, doch unter dem Regime von Xi Jinping gibt es Pläne, den Kampf gegen die USA auf den Finanzmärkten aufzunehmen und den Dollar bei den von China abgewickelten Transaktionen zu umgehen. [5]    

Die Spannungen am US-Anleihemarkt, die dazu geführt haben, dass die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe über 4,5 % und die der 20-jährigen Anleihe über 5,6 % gestiegen ist, erreichen Werte, die seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 nicht mehr zu beobachten waren. Andererseits hat das Staatsdefizit den Rekordwert von 6 % erreicht, weit entfernt vom Ziel der Federal Reserve von 2 %. In diesen Jahren ist der Anteil der Schulden in den Händen öffentlicher Institutionen, vor allem US-amerikanischer, von 40 % auf 20 % gesunken, während der Anteil in den Händen privater Investoren von 60 % auf 80 % gestiegen ist. [6] Es ist offensichtlich, dass das Geld, das die Taschen der US-Finanzoligarchie füllt, aus einer gründlichen Plünderung der Staatskassen, aus der Zerstörung der sozialen Dienste, des öffentlichen Gesundheitswesens und des öffentlichen Bildungswesens stammt. Deshalb sind die Illusionen, den USA ihre industrielle Vorherrschaft zurückzugeben – ein zentraler Punkt des Wirtschaftsprogramms von MAGA – völlig gescheitert.

Die großen Monopole, die Banken und die Investmentfonds fühlen sich in diesem parasitären, spekulativen Kapitalismus sehr wohl. Trump regiert im Auftrag einer gierigen Plutokratie, die ihn bei seiner imperialistischen Offensive unterstützt, weil sie sich damit eine goldene Nase verdient: Im Jahr 2025 stiegen die Unternehmensgewinne um 13,6 % und erreichten den historischen Rekordwert von 3,41 Billionen Dollar. Doch wie ist es möglich, solche Zahlen bei einer stagnierenden Wirtschaft und kaum Wachstum in der Produktivität zu erreichen? Die Gründe liegen offensichtlich im großen Geschäft mit Schulden und in der Börsenspekulation.

Zu diesem düsteren Bild kommt ein weiterer besorgniserregender Aspekt hinzu: die Lähmung der Volkswirtschaften der Golfmonarchien. Infolge des Iran-Kriegs und des Rückgangs bei der Förderung und Vermarktung von Gas und Öl wird ein deutlicher Rückgang ihres BIP erwartet, der im Falle von Kuwait und Katar bis zu 14 % betragen könnte. [7] Das eröffnet negative Aussichten für die USA, da ihre Verbündeten gezwungen sein könnten, Liquidität zu beschaffen, indem sie einen Teil ihrer Staatsfonds im Wert von 5 Billionen Dollar verkaufen, die größtenteils in US-Anleihen und Wall-Street-Aktien investiert sind. Das könnte auch einen der boomenden Märkte treffen, nämlich den der künstlichen Intelligenz, und dessen führende Unternehmen beeinträchtigen, sollten die von den Ölmonarchien angekündigten Investitionen letztendlich ausgesetzt werden. [8]

Der KI-Markt hat sich zum verrücktesten Spielfeld der Börse der letzten Jahrzehnte entwickelt und eine Blase hervorgebracht, die, sollte sie platzen, die Finanzkrise von 2008 in den Schatten stellen könnte. Vor einigen Wochen wurde berichtet, dass NVIDIA eine Marktkapitalisierung von 5,6 Billionen Dollar erreicht hat, was über dem BIP Deutschlands liegt. Nun plant Elon Musk den Börsengang von SpaceX, einem Unternehmen für Raketen, Satelliten und KI, mit einem Wert von 75 Milliarden Dollar, obwohl für 2025 Verluste in Höhe von 4,937 Milliarden Dollar prognostiziert werden. Letztendlich ist der „virtuose Kreislauf“ der Börsengewinne gar nicht so virtuos, sondern vielmehr eine Methode, Gewinne losgelöst von der produktiven Realität zu erzielen. Diese wird eine Explosion mit unvorhersehbaren Folgen heraufbeschwören:

„Die Technologiegiganten sind auf dem Weg, allein in diesem Jahr zwischen 350 und 500 Milliarden Dollar in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz zu investieren, und Prognosen deuten darauf hin, dass die Ausgaben bis 2028 drei Billionen Dollar erreichen könnten. Goldman Sachs hat darauf hingewiesen, dass der Aktienmarkt im Zusammenhang mit KI bereits jetzt einen Wert von rund 19 Billionen Dollar erreicht hat.

Im Juli brachte eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine Debatte auf den Punkt, die sich seit Monaten auf den Märkten abgezeichnet hatte: 95 Prozent der Unternehmen, die in generative künstliche Intelligenz investiert hatten, erzielten keinerlei messbaren Ertrag. Die Untersuchung analysierte 300 Initiativen von Unternehmen und deckte auf, was die Autoren als ‚Lücke der generativen KI‘ bezeichneten: Eine Minderheit der Unternehmen schöpft Millionen an Wert ab, während die überwiegende Mehrheit in Pilotprojekten stecken geblieben ist, die keinen wirklichen Einfluss auf ihre Bilanzen haben. US-Unternehmen hatten insgesamt zwischen 35 und 40 Milliarden Dollar in diese Initiativen investiert, und fast das gesamte Geld hatte nichts Messbares hervorgebracht.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der den kritischsten Analysten Sorge bereitet, nämlich die Finanzstruktur, auf der ein Großteil der Investition beruht. Die sogenannten zirkulären Transaktionen zwischen den großen Technologieunternehmen erinnern an die Praktiken der Dotcom-Blase, als sich die Unternehmen gegenseitig Dienstleistungen abkauften, um ihre Umsatzzahlen aufzublähen. Nvidia investiert in OpenAI, das einen Großteil dieses Geldes dafür verwendet, die Chips von Nvidia selbst zu kaufen. Microsoft hält 27 Prozent an OpenAI und macht fast ein Fünftel des Umsatzes von Nvidia aus. Und Nvidia garantiert, bis 2032 alles abzunehmen, was CoreWeave nicht verkaufen kann – ein Netz aus gegenseitigen Abhängigkeiten, das es sehr schwer macht zu erkennen, wie viel der tatsächlichen Nachfrage nach künstlicher Intelligenz organisch ist und wie viel das Ergebnis eines geschlossenen Geldkreislaufs ist, der sich in denselben Händen bewegt.“ [9] 

Genau so ist es. Das Geschwätz der Regierungen, die „aus Fehlern lernen“ und „Schlussfolgerungen ziehen“ wollten, gehört der Vergangenheit an. Die „Casino-Wirtschaft“ ist nicht verschwunden, sie hat sich nur auf verschiedene Weise getarnt, bleibt aber weiterhin das vorherrschende Modell in den USA und im Westen. Der Anstieg der Börsenindizes wird von KI-bezogenen Unternehmen angetrieben, „und zwar in einem solchen Ausmaß, dass 37 % des Wertes des wichtigsten US-Börsenindex, des S&P 500 (der 500 große Unternehmen umfasst), mittlerweile auf nur sieben Unternehmen konzentriert sind – NVIDIA, Microsoft, Alphabet und Amazon –, die auch zu denjenigen gehören, die am meisten in KI-Infrastruktur investieren.“ [10]

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der auf die strukturellen Ungleichgewichte in dieser historischen Phase der Diktatur des Finanzkapitals hinweist, ist das Verhalten der großen Investmentfonds, die ihrerseits als Motor eines parallelen privaten Kreditwesens fungieren. Dieser Sektor erlebte nach der Finanzkrise von 2008 angesichts der Liquiditätsengpässe im Bankensektor einen enormen Aufschwung und schuf einen undurchsichtigen Kreditmarkt, über den nur wenig bekannt ist. Eines der Anzeichen dafür, dass die Aussichten nicht gut sind, ist, dass bekannte Fonds, darunter Blackrock, im ersten Quartal 2026 Anträge zum Kapitalabzug in Höhe von bis zu 14 Milliarden Dollar verzeichneten:

„Blue Owl Capital war einer der auffälligsten Fälle. Seine Anleger beantragten die Rücknahme von 41 % seines Technologie-Fonds im Wert von 6,2 Milliarden Dollar und von 22 % seines Kreditfonds im Wert von 36 Milliarden Dollar. Die Fondsgesellschaft begrenzte die Abflüsse auf 5 %. Blackstone erhielt Rücknahmeanträge in Höhe von 3,7 Milliarden Dollar bei BCRED, einem seiner großen Private-Credit-Fonds. Auch Apollo musste die Rücknahmen begrenzt.“ [11]

Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin der Bank of England, warnt vor dieser Situation und erklärt: „Die privaten Kredite sind in den letzten 15 bis 20 Jahren von null auf zweieinhalb Billionen Dollar [nach anderen Schätzungen drei Billionen] angestiegen. Es gibt Hebelwirkung, Undurchsichtigkeit, Komplexität und Verflechtungen mit dem übrigen Finanzsystem. All dies weist Ähnlichkeiten mit dem auf, was wir während der weltweiten Finanzkrise gesehen haben.“ [12] Eine versteckte Verschuldung am Rande des konventionellen Bankwesens, die als Brandbeschleuniger wirken kann.

Interimperialistischer Kampf und Überproduktionskrise

Hinter all diesen Widersprüchen und Ungleichgewichten verbirgt sich die Überproduktionskrise, die Achillesferse der kapitalistischen Wirtschaft, die den Kampf um die Kontrolle der Märkte und der geostrategischen Gebiete, kurz gesagt: um die weltweite Hegemonie, anheizt. Der Aufstieg Chinas zur unbestrittenen Supermacht im verarbeitenden Gewerbe schürt diesen Kampf in allen Sektoren, etwa im Bereich der Halbleiter oder der Elektroautos, wo China bereits 60 % des Weltmarktes beherrscht. [13]

Das hat zu einem Kapitalüberangebot geführt, das rücksichtslos nach höchster Rentabilität strebt, koste es, was es wolle – einschließlich der Ausweitung der Märkte über ihre eigenen Grenzen hinaus –, und dabei ungebremste Spekulationsblasen erzeugt, sei es im Bereich der KI, bei den Schulden oder auf dem undurchsichtigen Markt für Privatkredite.

Der Unterschied zur Krise von 2008 – und es handelt sich um einen qualitativen Unterschied! – besteht in den enormen Spannungen zwischen den Großmächten, zwischen China und den USA, die eine globale Einigung erschweren, wie sie damals noch zustande kam, um den Kapitalismus durch eine massive Rettung des Finanzsystems zu retten. Im aktuellen Kontext ist der Kampf auf Leben und Tod zwischen dem US-Imperialismus und dem chinesischen Imperialismus eine Quelle von Instabilität und Chaos, die im Falle einer weltweiten Rezession den Klassenkampf auf ein bisher unbekanntes Niveau anheizen wird.

Doch dass es aufgrund der Verschärfung des Kampfes um die Weltherrschaft Schwierigkeiten bei einer solchen globalen Koordination gibt, bedeutet nicht, dass wir vor einer Fragmentierung des Weltmarktes stehen oder vor einer Entkopplung in unabhängige Wirtschaftsblöcke, die von den jeweils rivalisierenden imperialistischen Mächten angeführt werden, wie es manche Analysen behaupten und wie es von linken Ökonomen (darunter sogar von einigen, die sich als Marxisten betrachten) wiederholt wird.

Es gibt keinen Anhaltspunkt in der wirtschaftlichen Realität für eine solche „Deglobalisierung“ – gerade jetzt, wo wir es mit einem Weltmarkt zu tun haben, der stärker vernetzt und voneinander abhängiger ist als jemals zuvor in der Geschichte des Kapitalismus. Die Ereignisse in der Straße von Hormus oder Trumps völliges Scheitern, China durch eine aggressive Zollpolitik einzudämmen, haben das erneut deutlich gemacht.

Die kapitalistische Propaganda räumt das nicht ein und greift auf Theorien zurück, die die tatsächliche Ursache hinter diesen Entwicklungen verschleiern sollen, nämlich den Verlust der Führungsrolle der USA und Europas bei der Globalisierung und deren Ablösung durch China.

Ein gutes Beispiel dafür ist, wie wir bereits dargelegt haben, der Markt für Elektroautos, auf dem China in nur fünf Jahren 60 % des Weltmarktes erobert hat, mit Exporten von mehr als 2,5 Millionen Elektroautos, die im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern um 115 %, um 35 % gegenüber der EU und um 290 % gegenüber Mexiko und Kanada sowie indirekt den USA gestiegen sind. Eine Expansion, die zudem mit einer Stärkung des chinesischen Binnenmarktes einhergeht, der 13,2 Millionen der 15,9 Millionen produzierten Elektroautos verbraucht. Ein erneuter Beweis für die Riesenschritte, die die chinesische Wirtschaft angesichts des industriellen Niedergangs des Westens weiterhin macht.

Doch zweifellos sind für Marxisten die Auswirkungen einer schweren Rezession auf den internationalen Klassenkampf der wichtigste Faktor. So, wie es beim Ausbruch der Krise 2008 der Fall war, der die größte Welle politischer und sozialer Unruhen seit den 1970er Jahren mit sich brachte, hätte eine ähnliche Krise heute noch weitreichendere Folgen. Vor dem Hintergrund einer enormen sozialen und politischen Polarisierung, eines Aufstiegs der extremen Rechten, aber auch einer Verschärfung der Reaktion der Arbeiterklasse in zahlreichen Ländern – mit Generalstreiks und unbefristeten Branchenstreiks, Selbstorganisation und klassenkämpferischen Methoden, die ein Ergebnis der Lehren aus der bürokratischen Kontrolle der Gewerkschaften und des Scheiterns des Reformismus 2.0 der Neuen Linken Formationen sind – könnten wir Zeugen von Massenbewegungen werden, die in offene revolutionäre Krisen münden.

Wir können keine feststehende Perspektive für den Zeitpunkt einer solchen Krise entwickeln, da sich dieser durch verschiedene Faktoren verlängern und allen möglichen Verzerrungen unterliegen kann. Doch die Gesetze des Kapitalismus und die Politik des westlichen Imperialismus arbeiten unaufhörlich auf ein solches Szenario hin. Die Herausforderung für Revolutionäre auf der ganzen Welt ist offensichtlich und verlangt von uns, uns von jeglicher Routine und geistiger Trägheit zu lösen, unsere Anstrengungen zu verdoppeln, um die grundlegende Dynamik der Prozesse zu verstehen, und unsere Organisationen zu stärken, um uns mit der Massenbewegung zu vereinen und eine politische Führung zu bieten, die dieser Aufgabe gewachsen ist.

 

Anmerkungen:

[1] Siehe https://www.eleconomista.es/economia/noticias/13904545/05/26/el-petroleo-roza-el-punto-de-no-retorno-para-la-economia-mundial-implica-el-cierre-de-industrias-y-la-entrada-en-recesion.html und https://www.eleconomista.es/economia/noticias/13910383/05/26/la-economia-mundial-contiene-el-aliento-ante-el-historico-desplome-de-los-inventarios-de-petroleo-lo-peor-esta-por-llegar.html.

[2] https://www.elplural.com/economia/aerolineas-quimicas-bienes-consumo-sectores-mas-golpeados-guerra-iran_390292102.

[3] https://www.msn.com/es-es/noticias/internacional/la-diplomacia-del-barril-china-sube-las-ventas-de-crudo-a-sus-vecinos-y-gana-influencia/ar-AA22vHsT?ocid=msedgntp&pc=U531&cvid=69fc66a78fad47ebb195e33f159fec17&ei=18.

[4] https://fosterswiss.com/la-desdolarizacion-del-mundo-que-significa-este-concepto-y-como-puede-afectarnos/.

[5] „In letzter Zeit hat sich die Internationalisierung des RMB (Renminbi, chinesische Volkswährung, Anm. d. Ü.) deutlich beschleunigt, doch im Gegensatz zur Vergangenheit ist der Hauptmotor dieser Expansion nicht mehr nur die Abwicklung von Handelsgeschäften. Sie erstreckt sich nun auch auf grenzüberschreitende Investitionen und Finanzierungen, die Allokation von Vermögenswerten im Ausland und die globale Finanzinfrastruktur.

Zunächst einmal hat die Verwendung des RMB bei grenzüberschreitenden Zahlungen und Abrechnungen drastisch zugenommen. Der Anteil des RMB, der vom Nicht-Bankensektor bei grenzüberschreitenden Einnahmen und Zahlungen Chinas genutzt wird, stieg von 17 % Ende 2016 auf 56 % im März dieses Jahres – mehr als eine Verdopplung – und hat damit die bisherige absolute Dominanz des US-Dollars faktisch umgekehrt (der Anteil des Dollars sank im gleichen Zeitraum auf 40 %). Gleichzeitig verzeichnete das Cross-Border Interbank Payment System (CIPS) ein explosives Wachstum seiner Aktivitäten mit einem Anstieg des durchschnittlichen täglichen Transaktionsvolumens um fast 50 %. An einem einzigen Tag im April dieses Jahres erreichte das Transaktionsvolumen 1,22 Billionen RMB und markierte damit einen historischen Höchststand. Zweitens hat sich die Abwicklungsbasis für Rohstoffgeschäfte zunehmend gefestigt. Im März und April 2026 erreichte der Anteil der in RMB abgewickelten Rohstoffgeschäfte einen historischen Höchststand von 33,5 %, was einen deutlichen Sprung gegenüber dem Durchschnitt von 11,5 % zwischen Ende 2017 und 2022 darstellt. (…)         

Vor dem Hintergrund hoher globaler Zinssätze und eines umgekehrten Zinsgefälles zwischen China und den Vereinigten Staaten schrumpft der Markt für chinesische Anleihen in US-Dollar weiter, während sich der Markt für Offshore-Anleihen in Renminbi (Sog. Dim-Sum- Bonds) auf insgesamt 244 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt hat. Seit Anfang dieses Jahres sind ausländische Emissionen (insbesondere globale Banke) im Vergleich zum Vorjahr um 180 % gestiegen und machen die Hälfte aller Emissionen von Offshore-RMB-Anleihen aus.“

https://www.bitget.com/news/detail/12560605437619.

[6] https://www.eleconomista.es/mercados-cotizaciones/noticias/13840763/03/26/la-guerra-ha-llegado-en-el-peor-momento-eeuu-debe-hasta-la-camisa-y-el-deficit-no-hay-quien-lo-arregle.html.

[7] Prognosen zufolge wird das BIP der VAE um 6 %, das Saudi-Arabiens um 3 % und das Omans um 1 % sinken. Andererseits haben sich Importe in die Region, darunter 100 % der Lebensmittel, versechsfacht. Siehe: https://elpais.com/economia/2026-05-28/la-nueva-ruta-de-las-exportaciones-al-golfo-encalla-entre-puertos-saturados-y-camiones-en-el-desierto.html.

[8] https://archive.ph/NzN6l#selection-367.0-367.128 und https://archive.ph/XKHHt#selection-1487.0-1487.59..

[9] Eigene Übersetzung nach: https://www.businessinsider.es/tecnologia/hay-realmente-una-burbuja-ia-esto-es-que-dicen-los-datos_6962969_0.html.

[10] Wie die BBC titelt: „Möglicherweise bahnt sich eine neue Finanzkrise an; sie wird sich jedoch nicht wie die letzte entwickeln.“ https://www.bbc.com/news/articles/cp3p5l0nyevo.

[11] https://www.20minutos.es/lainformacion/economia-y-finanzas/wall-street-abre-veda-contra-credito-privado_6971004_0.html.

[12] https://www.bbc.com/news/articles/cp3p5l0nyevo.

[13] https://www.lavanguardia.com/economia/20260601/11552265/china-acapara-60-ventas-coches-electricos-mundo.html.

 

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